„Ihr müsst uns das sagen“

Claus Kleber und Per Eggers

Claus Kleber stellte sich den Fragen junger Journalisten – und zeigte sich souverän und nahbar

„Was interessiert Euch? Ihr müsst wissen, was wir tun müssen, damit junge Menschen unsere Sendungen sehen. Ihr dürft nicht mich fragen!“ Souverän bewältigte Claus Kleber den Generationen-Dialog mit Redakteuren der Schülerzeitung SchollZ, Journalistik-Studenten der Hochschule Hannover, Volontären des Madsack Medien Campus und des NDR sowie jungen Redakteuren aus der Region.

In vier Runden stellte sich der 64-jährige Moderator des ZDF heute journals den Fragen junger Medienschaffender u.a. zu seiner Biografie, zum journalistischen Alltag in Zeiten von Social Media, zur Erreichbarkeit junger Menschen und zur Glaubwürdigkeit von Medien in Zeiten von Fake News. Er präsentierte sich als meinungsstarker Vertreter des linearen Fernsehens mit viel Sympathie und Offenheit für Social-Media-Plattformen. Deren Faszination hat er ja selbst erlebt und genossen, als er mit einer gelungenen Kurz-Botschaft aus dem Stand rund 150.000 Follower gewann. 2014 war das, als Kleber auf dem Flug in die USA zum Interview mit Hillary Clinton textete: „LH 400 um mehr als eine Stunde verspätet. Nie gut. Heute teuflisch. Hold on, Hillary.“

Ja, kurze Echtzeitkommunikation macht ihm Freude, und selbst dabei feilt er gern an jedem Satz. Doch längst hat er sich aus den Social Media weitestgehend zurückgezogen, die Arbeit für das heute journal und große Reportagen ist zu fordernd, die Zeit zu kurz für alles. „Ich bin ein wenig altmodischer geworden.“ Kleber sprach sich aber klar für ein Nebeneinander journalistischer Arbeit für lineares Fernsehen und Social Media aus – auch wenn dadurch der Arbeitsalltag verdichteter ist als früher.

Offen geht er dabei auch mit einem weiteren Generationenunterschied um. Auf die Frage nach der Vereinbarkeit von Fulltime-Job und Familie und der Bedeutung geregelter Arbeitszeiten antwortete er: „Ich komme aus einer anderen Generation, mein Vater hat es mir schon vorgelebt. Ja, wenn ich in einer Geschichte stecke, ist es manchmal schwer abzuschalten, und dann bleibt gelegentlich auch das Privatleben auf der Strecke.“ Kleber sieht sich als „Content Guy“, der so lange recherchiert, bis er die Zusammenhänge hinter Fakten abgesichert und verständlich rüberbringen kann – auch wenn das einen 14-Stunden-Tag bedeutet.

Jammern gibt’s bei ihm nicht, denn: „Journalismus ist der schönste Beruf, und wir haben in Deutschland sehr gute Bedingungen auch für kritischen Journalismus.“

Mit großem Ernst in der Stimme referierte Kleber über den Wahrheitsanspruch der öffentlich-rechtlichen Medien und schmetterte den häufigen Vorwurf der Meinungsmanipulation ab. „Ich ringe als Moderator häufig mit Kollegen aus dem Team über einzelne Worte und darüber, ob man dieses oder jenes wirklich belegen kann. Die Bequemlichkeit, die sich früher vielleicht manchmal in unseren Reporteralltag eingeschlichen hat, ist verschwunden. Dadurch wird unser Job vielleicht ein bisschen schwieriger. Aber das macht unsere Arbeit auch besser.“

Immer wieder warb er für den Dialog zwischen dem aufstrebenden Nachwuchs und etablierten Medienschaffenden darüber, wie Menschen erreicht und Demokratie durch aufgeklärten Journalismus gestärkt werden kann. Weil nach der knapp  zweistündigen intensiven Debatte weiter Fragen offen blieben, lud er seine Gesprächspartner nicht nur ins ZDF nach Mainz zur Fortsetzung ein. Er nahm sich auch nach der offiziellen Runde noch viel Zeit für Fragen.

Claus Kleber – ein weitgereister Journalist, der über seine Moderationen wohl schon in fast jedem Wohnzimmer „zu Gast“ war und der trotz seiner Bekanntheit ein nahbarer Fernsehmann geblieben ist.

Zum Talk mit Claus Kleber hatte die Sir-Greene-Stiftung des Presse Club Hannover eingeladen. Die Veranstaltung fand beim Sponsor des Abends, den VGH Versicherungen, statt. Souverän und erfrischend führte Per Eggers, (Sport-) Moderator bei Radio 21 und Sir-Greene-Stipendiat von 2010, durch das Programm.


Bericht: Katharina Kümpel
Fotos: Torsten Hamacher